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Die Liberalisierung des Strommarktes hat die Lage der Privatkunden nicht verbessert. Fast täglich ändern sich Preise, Geschäftsbedingungen sowie die Möglichkeiten, überhaupt Strom von einem anderen Unternehmen zu beziehen. Nahezu alle seit der Liberalisierung neu in den Markt getretenen Anbieter sind am fortbestehenden regionalen Monopol der Netzbetreiber gescheitert.
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg fordert von der Politik, jetzt endlich den Wettbewerb zu stärken, indem sie den Netzzugang erleichtert und die überhöhten Netznutzungsentgelte kontrolliert, um einen funktionierenden Strommarkt zu schaffen. Nur so kann ein weiteres Ansteigen der Strompreise zu verhindert werden. „Die Verbraucher zahlen die Zeche für die misslungene Liberalisierung des Strommarktes“, bringt Alf Hänle, Energieexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg die derzeitige Situation auf den Punkt.
Die jüngsten Strompreissteigerungen belegen, dass die großen Energieversorger ihre Marktmacht zu Lasten der privaten Endabnehmern ausnutzen können. Seit Beginn der Liberalisierung sind die Strompreise für industrielle Großabnehmer um mehr als 25% gesunken, während private Haushalte heute wieder mehr bezahlen als vor der Marktöffnung. In Bundesländern, welche die Strompreisaufsicht des Landes noch wahrnehmen, sind die Preise merklich weniger gestiegen als in Baden-Württemberg. Die Preisdifferenzen der momentan im Lande verfügbaren Angebote sind oft so minimal, dass der Aufwand des Wechsels den Nutzen übersteigt. Viele der neuen Verträge bieten auch keine Preissicherheit über längere Zeiträume. "Kunden, die Sonderverträge abschließen, sollten sich überlegen, die gesicherten Rechtspositionen des Allgemeinen Tarifs nur dann aufzugeben, wenn es sich finanziell wirklich lohnt“, rät Hänle.
Fünf Jahre nach der Liberalisierung in der Stromwirtschaft ist es höchste Zeit, Regeln für den Strommarkt zu schaffen, die geeignet sind, den erwünschten Wettbewerb herbei zu führen und zu sichern. Die anstehende Anpassung des geltenden Rechts an die geänderten stromwirtschaftlichen Verhältnisse muss auch die Stromkunden vor den Netzmonopolen schützen. Die Verbraucherzentrale fordert die Stromanbieter auf, die tatsächlichen Kosten der Strombereitstellung in den jeweiligen Kundensegmenten offen zu legen. Dabei darf die Last der erforderlichen Umweltabgaben nicht überwiegend auf private Haushalte abgewälzt werden.
Quelle: Pressemitteilung der Verbraucherzentrale BaWü 05.02.2004
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