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Energiepass

Was beim Kauf von Kühlschrank & Co. längst selbstverständlich gecheckt wird, soll nun endlich auch für bestehende Wohnungen und Gebäude kenntlich sein: Ab Januar 2006 muss ein Energiepass neue Miet- und Kaufverträge begleiten. Das alte Ärgernis, dass Mieter oder Eigentümer die Kosten der „zweiten Miete“ bei der Entscheidung für das Wohnobjekt nicht verlässlich kalkulieren können, soll mit dem Dokument ausgeräumt werden. Doch anstatt mit diesem „Ausweis“ endlich ein wirkungsvolles Instrument zur Energieverbrauchskennzeichnung zu etablieren, wird der Wärmepass vom Zentralverband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer jetzt als untauglicher Zwangspass infragegestellt.

Und zudem wurden die Kriterien zur Klassifizierung der Energieeffizienz auf Druck der Wohnungswirtschaft schönfärberisch nivelliert. Rund 200 Euro pro Jahr müssten Mieter oder Eigentümer eines Einfamilienhauses nach Berechnungen der Verbraucher-Zentrale NRW jedoch „in den Schornstein“ schreiben, wenn energetische „Mittelklasse-Häuser“ so in die „A-Klasse“ unter den energiesparenden Gebäuden aufsteigen. „Eine klare und differenzierte Kennzeichnung ist der ‘Elchtest’ für den ab 2006 bundesweit vorgeschriebenen Energiepass für Gebäude“, fordert die Verbraucher-Zentrale NRW nach knapp einem halben Jahr Energiepass-Feldversuch in zehn Modellkommunen. Tauglichkeit und Transparenz statt Mogelpackung seien beim Energiepass gefragt.

Die EU-Gebäuderichtlinie hat das Ziel vorgegeben: Bei jedem Mieter- oder Eigentümerwechsel in bestehenden Gebäuden muss ab Januar 2006 ein Energiepass vorgelegt werden, der deren Heiz- und Warmwasserkosten sowie den energetischen Zustand der Gebäudehülle transparent macht. Damit soll Wohnungssuchenden nicht nur die Entscheidung für ein „Energiesparhaus“ ermöglicht, sondern es sollen auf dem Immobilien- und Wohnungsmarkt auch Anreize geschaffen werden, Gebäude energetisch zu sanieren. Doch wirklich hilfreich ist der geplante Pass nur, wenn er verlässliche und verständliche Entscheidungskriterien an die Hand gibt. Mit der „Initiative Energiepass“ hat die Verbraucher-Zentrale NRW im Oktober 2003 - finanziell gefördert durch das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW und der Nordrhein-Westfälischen Stiftung für Umwelt und Entwicklung - deshalb hierzulande in zehn Modellkommunen einen Praxistest eingeläutet, um den von der Deutsche Energie Agentur (dena) entwickelten Prototyp des bundeseinheitlichen Energiepasses auf seine Praxistauglichkeit zu testen.

Als kontraproduktiv wertet die Verbraucher-Zentrale NRW dabei Vorstöße von Haus & Grund, dem Zentralverband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer, den Wärmepass als entbehrlich und als „Zwangsinstrument zur Energieeinsparung“ zu geißeln: „Erhebungen im Vorfeld der Modellversuche haben gezeigt, dass 72 Prozent aller Befragten der Energiebedarf bei einer Kauf- oder Mietentscheidung wichtig ist“, erläutert Helmfried Meinel, Bereichsleiter bei der Verbraucher-Zentrale NRW, „wer den Energiepass dabei als hilfreiches Instrument infragestellt, hat die Informationsbedürfnisse von Mietern und Käufern nicht erkannt!“

Das schon bei Kühlschrank, Waschmaschine & Co. bekannte Treppenmodell der Energieklassen von A bis F oder I sei auch für Gebäude ein geeignetes Label, um Mietern oder Käufern einen leicht verständlichen Indikator zur Beurteilung der Energieeffizienz an die Hand zu geben. Alle beteiligten Kommunen in NRW hätten im Energiepass-Feldversuch dieses Modell favorisiert. Allerdings: Auf Druck der Wohnungswirtschaft, die offensichtlich um ein schlechtes Energiezeugnis für die Mehrzahl bestehender Gebäude fürchtete, hat die dena die Hürden fürs Erreichen der A-Klasse heruntergeschraubt. Was dann im Endeffekt dazu führen würde, dass viele Häuser mit durchschnittlichem Energieverbrauch schon in die Spitzenklasse aufsteigen. Bei einem 140 Quadratmeter-Haus und einem Heizölpreis von zurzeit 40 Cent pro Liter macht die Nivellierung der Stufen nach Berechnungen der Verbraucher-Zentrale NRW etwa 200 Euro an Heizkosten pro Jahr aus.

Der Energiepass-Praxistest der Verbraucher-Zentrale NRW hat schon in den ersten Monaten einen echten Run auf den neuen ‚Gebäudeausweis’ entfacht. „Die Verpflichtung der Modellstädte, bis Ende 2004 jeweils 100 Energiepässe auszustellen, wurde vielerorts schon jetzt eingelöst und weit übertroffen, was zeigt, dass das neue Dokument von den Betroffenen keineswegs als Belastung, sondern als Chance für sich rechnende Investitionen empfunden wird. Eine Aufweichung der Anforderungskriterien würde somit nicht nur Verbrauchererwartungen zuwiderlaufen, sondern auch Innovationen mitsamt ihren Effekten für den Arbeitsmarkt ausbremsen“, appelliert die Verbraucher-Zentrale NRW, die Erfahrungen des Feldversuchs bei der endgültigen Ausgestaltung des bundeseinheitlichen Energiepasses zu berücksichtigen.

Quelle: Pressemitteilung der Verbraucherzentrale NRW 26.05.2004


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