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Novelle des Telekommunikationsgesetzes

Während die Vereinbarungen zwischen Telekom und ihren Wettbewerbern über die Nutzung des DSL-Frequenzspektrums der Anschlussleitung schon laufen, ist die Nutzung des Analog-/ISDN-Spektrums durch weitere Auflagen bis 2008 stark eingeschränkt.

Finanzanalysten sehen große Vorteile für reine Internet-Provider, die nun in der Lage seien, der Telekom bedeutendere Marktanteile des DSL-Marktes abzunehmen, der heute zu rund 95 Prozent in der Hand des Bonner Konzerns ist.

Bracheninsider sehen die Situation jedoch kritischer: „Das Argument, dass Internetanbieter gewinnen und Telefondiscounter verlieren, greift zu kurz und geht am Thema vorbei. Hier wird ein Scheingewinn vorgegaukelt, den es nicht gibt. Es sei denn, man tröstet sich damit, dass es ja auch hätte schlimmer kommen können. Verlierer sind aber alle - mit Ausnahme der Telekom“, kritisiert Omar Khorshed, Vorstandsvorsitzender des Düsseldorfer Abrechnungsspezialisten acoreus AG. Khorshed, dessen Unternehmen die komplette Abrechnung für viele Carrier durchführt, kennt die Eigenarten des Geschäftes bestens. Die meisten, scheinbar alternativen Anbieter seien im Grunde nur Vertriebskanäle der Deutschen Telekom, ein Großteil ihrer Einnahmen würde über Interconnection-Gebühren, Leitungs- und Anschlusskosten oder Mieten für Kollokationsräume wieder auf die Konten von Telekom fließen. „Vielfalt in der Verpackung, Uniformität im Inhalt. So wie wir es auch im Mobilfunk von den Serviceprovidern kennen“, bringt der Branchenkenner Khorshed die Situation auf einen Nenner.

Besonders auffällig ist, dass die Telekom die monatlichen Grundpreise für Anschlüsse anhebt, während gleichzeitig die Nutzungskosten sinken oder durch günstige Flat Rates abgebildet werden. Das gibt dem ehemaligen Staatskonzern die Möglichkeit, auch höhere Preise im Anschlussbereich von den Wettbewerbern beim Line Sharing zu verlangen und die Erlöse über die Nutzung immer unrentabler zu machen. Khorshed sieht eine klare Tendenz zur Aushebelung von Call-by-Call Anbietern, die nur über die Nutzungsgebühren Geld verdienen. Gleichzeitig warnt er davor, den Telekommunikationsmarkt zu statisch zu sehen: „Das nächste Breitband-Medium ist WLAN. Telekom ist auch hier schon dabei, in breiter Front öffentliche WLAN-Zugänge auszurollen. Es ist zu befürchten, dass auch hier der Wettbewerb der Telekom um zwei bis drei Jahre hinterherhinkt.“ Als Beispiel verweist er auf das Thema Kabelfernsehen. Zwar sei die Telekom vom Regulierer vor fünf Jahren angehalten worden, die Kabelnetze zu verkaufen, habe aber gleichzeitig aggressiv DSL forciert, so dass der Markt für Breitbandzugänge mit günstigen Angeboten abgedeckt war und die verkauften Kabelnetze somit im Nachhinein erheblich an Potenzial und somit an Wert verloren hatten. „Die derzeitige Überarbeitung des TKG zielt wiederum darauf, das bestehende Monopol der Telekom festzuschreiben und ein wenig Resale auf Basis der bestehenden Telekom-Infrastruktur freizugeben. Gleichzeitig aber plant der Ex-Monopolist längst schon neue Infrastrukturen und Dienste für die nächsten Jahre. Der Wettbewerb bleibt dabei auf der Strecke“, resümiert Khorshed.

(Quelle: Pressebox.de vom 17.5.2004)


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